Der große antike Philosoph Platon (ca. 4 Jahrhunderte vor Ch.) beschreibt in seinem Höhlengleichnis seine Vorstellung von des Menschen Gang aus der Unmündigkeit, der geistigen Blindheit und Abhängigkeit zu wahrer Erkenntnis.

(Foto-Quelle: studlib.de)
Gefangen und ausgeliefert
Er schildert den gewöhnlichen Menschen in der Dunkelheit an Hals und Beinen gefesselt.
Bildlich gesprochen ist der Mensch im Reden und in der Fortbewegung von außen eingeschränkt.
Vor einer Höhlenwand, auf der die Abbilder von Gegenständen ablaufen, sitzt er und starrt sie an.
Kannte er etwa die moderne Medienwelt bereits?
Hinter den nebeneinander gefesselten Menschen ist eine Mauer, hinter der Gegenstände und Abbilder von Menschen vorbeigetragen werden.
Wer sind diese Leute? Was bezwecken sie damit? Welche Bilder wollen Sie damit bei den Gefangenen erzeugen?
Durch den Widerschein des noch weiter dahinter brennenden Feuers, werden die Schattenbilder an die Höhlenwand projiziert.
Die Menschen erkennen jedoch nicht, dass es nur verzerrende Schattenbilder sind, die ihnen ein bestimmte Botschaft übermitteln soll, mit Hilfe derer sie besser zu kontrollieren sind!
Ausgang aus der „selbstverschuldeten (?) Unmündigkeit“ (Kant)
Wenn einer der Menschen entweder von selbst seine Fesseln löst oder befreit wird, aufsteht, und immer weiter nach hinten geht, sogar noch hinter das Feuer hinaus, gelangt er bis zum Höhlenausgang, zum Licht und letztlich zur Quelle des Lichts, der Sonne.
Die Sonne stellt Platon in einem weiteren Gleichnis als das Gute, das Ziel der höchsten Erkenntnis, dar.
Der befreite Mensch würde womöglich an der Wirklichkeit der Dinge, die er entdeckt, zweifeln, seine Schattenbilder auf der Höhlenwand zunächst für realer halten und am Ausgang der Höhle wäre er schmerzhaft geblendet von der Sonne und würde erst einmal gar nichts sehen.
Diesen Moment des Auslieferns an ein niederschmetternd blendendes Chaos und der darin überwältigenden Entpuppung der Erkenntnis in unserer Entwicklung erleben wir Menschen immer wieder - wenn wir uns ihm nicht willentlich verweigern!
Dort entdeckt er, sobald sich seine Augen daran gewöhnt haben, die Quelle allen Lebens, die Sonne, die letztgültige Wahrheit.
Wenn wir offen und dran bleiben, können wir mehr und mehr Wahres erkennen.
Kehrt er zurück, weil er sich verantwortlich fühlt für seine Mitmenschen und Mitgefangenen, um sie auch zu seinem Weg zur höchsten Wahrheit zu veranlassen, wird er abgelehnt, verlacht, für verrückt erklärt, angefeindet, schwebt in Gefahr, getötet zu werden!
Denn der Mensch fürchtet die Veränderung, das Fremde und Unbekannte – und hält es zunächst immer für das Falsche, das Unechte, das Schlechte, das Abzuwehrende.
Wir haben die Wahl!
Gehen wir von Platons Höhlengleichnis aus, bleibt uns das Höchste, das letztlich Gute, die Wahrheit verschlossen. Solange wir abhängig sind in unserer fremdbestimmten Unmündigkeit, als geistig Hörige, sind wir gefangen.
Als Erstes befreien wir uns von den Fesseln der Unveränderlichkeit, des VorURTEILS durch unsere eigene Sehnsucht oder mit der Unterstützung von jemand anderem, dem wir vertrauen. Wir vertrauen einem anderen allerdings ausschließlich, wenn wir uns selbst in unserem Urteil trauen! Notwendig dazu ist innerliche Stärke und Unabhängigkeit, die uns auch im Außen Sicherheit gibt!
Dann sind wir womöglich auch stark genug, die veränderte Perspektive der Gegebenheiten zu begreifen, sie zu bewältigen und zu verstehen, sie stehen lassen zu können und unseren Weg der Erkenntnis weiterzugehen. Auch die Unfähigkeit eine Zeitlang auch nur irgendetwas zu erkennen, die Blendung und den Schmerz auszuhalten, verlangt uns Kraft ab. Und erst recht die Rückkehr in die Dunkelheit, die wiederum unsere Anpassung benötigt und uns dem Unverständnis und der Gegnerschaft der anderen aussetzt, fordert unseren Charakter, unser Stehvermögen. Und wie gewinnen wir deren Vertrauen?
Empathie, Verständnis, Warmherzigkeit und einfühlende Führung sind gefragt. Wenn es uns gelingt, uns in unser gefangenes Ich wieder zurückzuversetzen, uns die Schmerzen erneut durchleiden zu lassen und sie den anderen verständlich nahezubringen, so dass sie uns vertrauen, keine Angst vor ihrem eigenen Weg zum Licht, zur Sonne haben, dann bringen wir die, die mutig genug sind, dazu, aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) hinauszugehen.
Auch Du kannst Dich aus Deinen Fesseln befreien oder Dich befreien lassen!
Oder Du stehst erst dann auf, wenn der Schmerz die Grenze des Erträglichen überschreitet!
Du gehst deinen eigenen, individuellen Weg selbst – so wie es für dich richtig und gut ist!
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