Business-Kraftwerk aus meinen Genen – eine kleine, kraftvolle Familiengeschichte

In unseren Genen lagern die Erfahrungen von bis zu 7 Generationen vor uns! Sie stellen die Anfangskoordinaten unserer Glaubenssätze. Diese bestimmen unsere Einstellung zum Leben, zum Lernen und zum Arbeiten, zu Geld und Erfolg, zu Partnerschaft, zu Zugehörigkeit und Zusammenhalt und vor allem - zu sich selbst.

Mich prägt und verfolgt die Geschichte meiner Vorfahren mehr als meine Geschwister, scheint mir. Während ich mich gefühlt schon immer dafür interessierte, archivierte, meinen Verwandten zuhörte, stellten meine Geschwister zwar fest, dass unsere Eltern Kriegsgeschädigte sind, sie selbst jedoch andere Themen haben. Recht haben sie!

Wie der Vater so der Sohn

Soweit ich mich auskenne, erzählt die Geschichte väterlicherseits von harter Arbeit, Aufbau, Auszug aus der angestammten Heimat, Neubeginn (in der Fremde), von großen Leistungen und abruptem wirtschaftlichem Niedergang. Höchster Erfolg und Ruin lagen in jeder Generation nah beieinander. Und immer wieder neu anfangen, aufbauen, weitermachen.

Mein Urgroßvater soll gesagt haben: „Ach, Geld – Geld kommt immer wieder rein!“ Sie scheuten alle keine Arbeit. Er selbst hatte, nachdem meinem Ururgroßvater die durch einen Vulkanausbruch in Indonesien verursachten Missernten seinen gesamten großen Hof kosteten, mit Hilfe des Startkapitals seiner vermögenden Frau und seiner Tüchtigkeit alles wieder aufgebaut. Als sehr junger Mann musste er sich seinen Lebensunterhalt mit seinem Instrument verdienen, von dem niemand mehr weiß, welches es war. Diese Phase war so beschämend für ihn, dass er sie beinahe totgeschwiegen hatte. Es blieb die Weisung an die Nachgeborenen: „Flieg nicht zu hoch! Schuster bleib bei Deinen Leisten!“

Träume sind Schäume!

Mein Großvater hatte hochfliegende, berufliche Träume: Er sollte als Bauerssohn auf die Anfang des 20. Jahrhunderts neu gegründete Banatia, die deutschsprachige gymnasiale Oberstufe in Temeschburg im Banat gehen und danach wollte er selbst Gymnasiallehrer werden. Allerdings fing damals der I. Weltkrieg an und sein Vater musste in den Krieg und er war mit seinen 12 Jahren der einzige ‚Mann‘ am Hof – also blieb er und war, als der Krieg aus war, mit 16 Landwirt. Er wurde ein großer, erfolgreicher Landwirt, nur nicht gerade das, was er sich für sich selbst vorgestellt hatte. Heute sagt mein Vater noch oft: „Träume sind Schäume!“

Meine Tanten erzählten immer wieder von der Insel im Bach auf ihrem Hof, wo mein Großvater zahlreiche Pflanzen veredelte und experimentierte und dass er sich viele Bücher aus ‚dem Reich‘, also aus Deutschland, hat kommen lassen, in denen er sich häufig versenkte. Er wusste offensichtlich auch viel und als er 2. Bürgermeister wurde, sammelten sich die Männer in seiner Stube um ihn und hingen an seinen Lippen.

Im II. Weltkrieg musste er mit seiner Familie und etwas Habe vor den Russen fliehen und im Reich dann zur Wehrmacht, wo er in Oberitalien bis zum Ende des Krieges Soldat war. Frau und Kinder wurden in Krumau als Flüchtlinge mehr geduldet als mit Mitgefühl aufgenommen. Danach wurden sie durch halb Europa gezerrt, sie flohen wieder in ihren Heimatort, wo Haus und Hof von der kommunistischen Regierung in der Zwischenzeit konfisziert wurden und mein Großvater nicht nur sein Vermögen, sondern auch seine hohe Reputation einbüßte. „Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s!“ und „Es ist besser, sich nicht hervorzutun!“ blieben als Familienglaubenssätze übrig.

Am Tiefpunkt

1951 wurden sie in ein kommunistisches Lager im Bārāgan verschleppt, wo sie Hunger, Krankheit und Gefangenschaft auf unbestimmte Zeit erdulden mussten. 1956 kamen sie unerwartet frei, nur an ihren Ursprungsort durften sie nicht mehr heimkehren. Mein Großvater hat sich für den Rest seines Lebens nicht mehr „hervorgetan“!
Mein Großvater, mein Vater und mein Onkel fingen an, in der Fabrik zu arbeiten – so ähnlich wie in „Doktor Schiwago“, fällt mir gerade ein, denn mein Großvater ist gestorben, als der Film 1984 im Fernsehen lief und wir davor saßen und Parallelen zogen.

Sie stellten alle drei über 25 Jahre einen Antrag auf Ausreise, der ihnen nicht genehmigt wurde. Mein Großvater durfte erst zu Besuch nach Deutschland als er bereits schwer krank war und mein Vater nachdem er illegal über die Grenze fliehen wollte, erwischt und ins Gefängnis geworfen wurde.

Mein Vater fing ‚hier draußen‘ an zu arbeiten, ein Haus, später ein weiteres zu bauen und baut und wandert immerzu von einem Haus zum anderen bis ins hohe Alter, seinem Motto getreu: „Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott!“

Härte und Not stählen

Meine Mutter verdankt ihr Sein der Liebe ihres Vaters zu dessen Mutter, die er nach dem II. Weltkrieg noch einmal sehen wollte. Sie war allerdings kurz vorher verstorben und mein Großvater konnte das Land nicht mehr verlassen, weil der Eiserne Vorhang gefallen war. Er hatte bereits davor seine erste große Liebe in den Kriegswirren verloren.

Meine Großmutter mütterlicherseits war aus einem Bergarbeiter-Dorf am Karpatenrand und arbeitete als Hausmädchen in einem wohlhabenden Haus in Reschitz, wo mein Großvater in mehreren Handwerker-Generationen bereits ansässig war. Sie las sehr gerne und meinte einmal zu mir, dass das Lesen ihr großer Trost war. Sie erzählte von meiner Urgroßmutter, die zehn Kinder hatte, häufig allein war, weil der Vater Waldarbeiter war und oft lange weg blieb – bis er gar nicht mehr heimkam.
Sie beschrieb ihre Mutter als eine harte, kalte Frau, die insbesondere sie, als einziges Mädchen, nicht mochte – allerdings von ihr viel Arbeit forderte und als sie in der Stadt zu arbeiten begonnen hatte, auch Geld.

Meine Großmutter schrieb einen Brief nach Hause, um zu schildern, wie es ihr erging. Da antwortete die Mutter ihr, sie solle das Porto lieber sparen und zu ihr nach Hause schicken! Meine Großmutter hat die Härte, Unerbittlichkeit und Kälte 1:1 an ihre Kinder weitergegeben – nur bei mir machte sie viel später eine Ausnahme.
Was sie mir mit regem Interesse, Wärme und Liebe in die Seele legte, ist die Richtlinie: „Das, was Du lernst, kann Dir keiner nehmen.“

Das durch große Härte und Kälte gebrochene innere Kind sowohl meiner Großmutter als auch meiner Mutter, dieser ungewollte, nicht anerkannte, vergebens liebebedürftige Anteil in ihnen, zittert leise noch heute in mir nach: „Du bist nicht sicher. Du musst mehr geben. Du bist nicht gut genug.“ Sicherheits- und Perfektionsansprüche erlauben keine Geborgenheit!

Ungeahnte Kraft

Die größte Kraftquelle in uns, sind die unverletzten Teile der Persönlichkeit. Wir können sie aufspüren, würdigen und sie zu unseren Verbündeten machen!

Meine Großmutter väterlicherseits starb bald nach der zermürbenden Zeit im Arbeitslager, so dass ich sie nicht mehr kennen lernen konnte.
Sie soll bis zum Schluss eine fröhliche, gütige, freundliche und sehr beliebte Frau gewesen sein, die immer ein Lachen auf den Lippen hatte. Berühmt war sie für ihre Koch- und Backkunst, ihr einladendes Zuhause und ihre große Gastfreundschaft. Sie hinterließ eine Spur zutiefst liebevoller, lebensbejahender Hingabe in ihrer Familie und unter ihren vielen Freundinnen. In all ihren Kindern spiegelte sich ihr Wohlwollen und ihre Lebensfreude, was bis tief in mir widerhallt!
„Lass Dich nicht her! Kopf hoch!“ schreibe ich ihr zu.

Kannst Du auch die Glaubenssätze Deiner Familie nachvollziehen und sehen, worauf sie gründen? Dann kannst Du sie drehen, wenn Du weißt, wo Du den Hebel ansetzen kannst.

 

0 Kommentare
Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert